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Übung im Rahmen der Aktionswoche

175 Feuerwehrleute proben den Ernstfall in Ritzmais

Explosion, vermisste Personen, Gefahrstoffe und ein Großaufgebot: Bei einer groß angelegten Feuerwehrübung in der Zimmerei Geiss in Ritzmais mussten rund 175 Einsatzkräfte zeigen, wie gut die Zusammenarbeit über Orts- und Gemeindegrenzen hinweg funktioniert. Gerade einmal 18 Minuten nach der Alarmierung war die erste eingeklemmte Person gerettet.

Ritzmais. Rauch dringt aus der Produktionshalle, Einsatzfahrzeuge rollen mit Blaulicht an, Atemschutztrupps verschwinden im Gebäude, während draußen Schlauchleitungen über Hunderte Meter verlegt werden. Über der Halle stehen zwei Drehleitern in Stellung. Was an diesem Abend im Gewerbepark Ritzmais nach einem Großeinsatz aussieht, ist glücklicherweise kein Ernstfall - sondern eine umfangreich vorbereitete Feuerwehrübung.

Das angenommene Szenario hätte die Einsatzkräfte allerdings auch in der Realität vor erhebliche Herausforderungen gestellt: Nach einer Explosion war in der Produktionshalle der Zimmerei Geiss ein Brand ausgebrochen. Mehrere Personen galten als vermisst. Eine Person war im Bereich einer Maschine beziehungsweise Schaufel eingeklemmt. Hinzu kamen Gefahrstoffe im Gebäude beziehungsweise Einsatzbereich - darunter Gasflaschen sowie Behälter mit Diesel und Benzin.

Um 19.10 Uhr erfolgte die Alarmierung. Danach musste vieles gleichzeitig geschehen: Menschen suchen und retten, den angenommenen Brand bekämpfen, die Wasserversorgung sicherstellen, benachbarte Gebäude schützen und den Verkehr rund um die Staatsstraße 2135 regeln.

Die Gesamtleitung des Einsatzes lag bei Michael Pledl, Kommandant der örtlich zuständigen Feuerwehr Hochdorf. Als Einsatzleiter koordinierte er die verschiedenen Einsatzabschnitte und damit das Zusammenspiel der zahlreichen beteiligten Feuerwehren. Gerade bei einer Übung dieser Größenordnung war eine klare Führungsstruktur entscheidend, damit Menschenrettung, Brandbekämpfung, Wasserversorgung, Atemschutzeinsatz, Gebäudeschutz und Verkehrsregelung ineinandergreifen konnten.

Besonders gefordert waren die Atemschutzgeräteträger. Trupps der Feuerwehren Hochdorf, Bischofsmais, Habischried und Zell gingen in die verrauchte Produktionshalle vor. Bei stark eingeschränkter Sicht mussten sie sich orientieren, vermisste Personen finden und gleichzeitig die Gefahren im Inneren im Blick behalten.

Der Abschnitt Menschenrettung stand unter der Leitung von Robert Kern, Atemschutzwart der Feuerwehr Hochdorf. Unterstützt wurden die Hochdorfer Kräfte dabei durch Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren Bischofsmais, Habischried und Zell.

Die Rettung der eingeklemmten Person gelang schnell: Bereits um 19.28 Uhr, nur 18 Minuten nach der Alarmierung, war sie befreit. In der anschließenden Übungsbesprechung wurde insbesondere die Zusammenarbeit der eingesetzten Atemschutztrupps hervorgehoben.

Damit war die Arbeit im Gebäude allerdings noch lange nicht beendet. Neben der Personensuche mussten die Feuerwehrleute auch die angenommenen Gefahrstoffe ausfindig machen und aus dem Gefahrenbereich bringen. Gasflaschen sowie Kanister mit Diesel und Benzin sorgten dabei für ein zusätzliches realistisches Element.

Während im Inneren um jede Minute gekämpft wurde, lief draußen ein zweiter Großeinsatz an: Eine stabile Löschwasserversorgung musste aufgebaut werden.

Vom Grundbach aus errichtete die Feuerwehr Kirchberg eine rund 400 Meter lange Schlauchleitung bis zum Übungsobjekt. Die Leitung führte dabei auch in den Bereich der Staatsstraße 2135. Damit der Verkehr weiterfließen konnte, wurden Schlauchbrücken ausgelegt. Fahrzeuge konnten die Einsatzstelle langsam passieren.

Die Verkehrsregelung im Bereich der Kreuzung an der Staatsstraße übernahmen die Feuerwehren Regen und Kirchberg. Verantwortlich für den Abschnitt Verkehrsregelung und Wasserförderung vom Grundbach war Tobias Geiss, Zweiter Kommandant der Feuerwehr Kirchberg.

Eine weitere Wasserversorgung wurde von Ritzmais her aufgebaut. Dafür waren die Feuerwehren Oberneumais, Mitterbichl, Raindorf und Untermitterdorf eingesetzt. Diesen Abschnitt leitete Fred Ernst, Erster Kommandant der Feuerwehr Oberneumais.

Damit zeigte sich eindrucksvoll, warum Übungen dieser Größenordnung weit mehr sind als eine Aneinanderreihung einzelner Aufgaben: Während ein Trupp im verrauchten Gebäude eine vermisste Person suchte, mussten Hunderte Meter entfernt andere Kräfte dafür sorgen, dass überhaupt genügend Löschwasser an der Einsatzstelle ankam.

Auch der Schutz der angrenzenden Gebäude spielte eine wichtige Rolle. Kräfte aus Hochdorf, Bischofsmais, Habischried, Zell und Kirchberg übernahmen die Abschirmung der Nachbargebäude.

Unterstützung kam zudem aus der Höhe: Die Feuerwehren Regen und Deggendorf waren jeweils mit einer Drehleiter angerückt. Von oben aus wurde der angenommene Brand bekämpft.

Insgesamt beteiligten sich rund 175 Feuerwehrleute mit 20 Einsatzfahrzeugen, darunter zwei Drehleitern, an der Übung. Vertreten waren die Feuerwehren Hochdorf, Bischofsmais, Habischried, Zell, Kirchberg im Wald, Mitterbichl, Raindorf, Untermitterdorf, Oberneumais, Regen und Deggendorf.

Kreisbrandmeister Martin Schreiner aus Habischried beobachtete den Übungsablauf.

Eine Übung dieser Größenordnung braucht nicht nur viele Einsatzkräfte, sondern auch ein geeignetes Objekt - und genau das stellten Christian und Sylvia Geiss mit ihrer Zimmerei-Holzbau Geiss im Gewerbepark Ritzmais zur Verfügung.

Für die Feuerwehren bot das Firmengelände außergewöhnlich realistische Bedingungen: eine weitläufige Produktionshalle, Maschinen, verschiedene Zugänge, große Außenflächen und genügend Raum, um gleichzeitig Menschenrettung, Atemschutzeinsatz, Brandbekämpfung, Wasserversorgung und Gebäudeschutz trainieren zu können.

Dass Christian und Sylvia Geiss ihre Firma für eine solch umfangreiche Übung zur Verfügung stellten, wurde bei der Abschlussbesprechung ausdrücklich gewürdigt. Denn eine Produktionsstätte für einen Abend zum Schauplatz einer Großübung zu machen, bedeutet auch Aufwand, Vorbereitung und Vertrauen in die beteiligten Einsatzkräfte. Entsprechend groß war der Dank an die beiden Firmeninhaber für ihre Bereitschaft, den Feuerwehren diese praxisnahe Ausbildung unter nahezu realen Bedingungen zu ermöglichen.

Bei der abschließenden Besprechung nutzte auch der Erste Bürgermeister der Gemeinde Bischofsmais, Stefan Kern, die Gelegenheit, den Einsatzkräften persönlich zu danken. Er würdigte die große Einsatzbereitschaft der Feuerwehrfrauen und -männer und machte deutlich, welchen Wert die Feuerwehren für die Sicherheit der Bevölkerung haben.

"Es ist gut zu wissen, dass wir uns auf unsere Feuerwehren verlassen können. Was hier geleistet wird, ist keineswegs selbstverständlich. Dafür möchte ich allen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern herzlich danken", betonte Kern bei der Abschlussbesprechung.

Sein Dank galt dabei nicht nur den Kräften, die an diesem Abend in Ritzmais im Einsatz waren, sondern auch dem großen ehrenamtlichen Engagement, das hinter einer funktionierenden Feuerwehr steckt. Ausbildung, Übungen und ständige Einsatzbereitschaft verlangen den Aktiven viel Zeit, Verlässlichkeit und persönlichen Einsatz ab.

Am Ende blieb deshalb weit mehr als die Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit der beteiligten Feuerwehren funktioniert. Die Übung machte sichtbar, was im Alltag oft viel zu selbstverständlich erscheint: Hinter jedem ausrückenden Feuerwehrfahrzeug stehen Frauen und Männer, die regelmäßig trainieren, ihre Freizeit opfern und im Ernstfall innerhalb kürzester Zeit bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Wenn andere vor Feuer, Rauch oder Gefahr zurückweichen müssen, gehen sie hinein. Sie suchen Vermisste in verrauchten Gebäuden, retten Verletzte, sichern Einsatzstellen, bekämpfen Brände und stellen sich Situationen, in denen jede Entscheidung zählen kann. Dabei setzen sie mitunter ihre eigene Gesundheit und ihr eigenes Leben aufs Spiel, um andere Menschen zu schützen.

Gerade Übungen wie jene in Ritzmais zeigen, dass diese Einsatzbereitschaft nicht einfach von selbst entsteht. Hinter jedem sicheren Handgriff stehen viele Stunden Ausbildung, unzählige Übungen, Disziplin und Erfahrung. Hinzu kommt etwas, das sich kaum in Zahlen messen lässt: Kameradschaft, Vertrauen und die Gewissheit, sich in schwierigen Situationen aufeinander verlassen zu können.

Dass Gemeinden und ihre Bürger im Notfall auf hervorragend ausgebildete und engagierte Feuerwehrleute zählen können, ist deshalb von unschätzbarem Wert. Es sind Menschen, die nachts aus dem Bett gerufen werden, Familienfeiern verlassen oder ihre Arbeit unterbrechen, wenn andere Hilfe brauchen - freiwillig und ohne zu wissen, welche Situation sie am Einsatzort erwartet.

Die Großübung in Ritzmais war deshalb nicht nur ein Test für Technik, Taktik und Zusammenarbeit. Sie war zugleich ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie unverzichtbar die Feuerwehren für die Sicherheit der Bevölkerung sind. Gut, dass es sie gibt - und gut, dass sich immer wieder Menschen finden, die bereit sind, für andere da zu sein, wenn jede Minute zählt.

Fotos: FFW Hochdorf
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